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Gestern Bayern 3:1 Dortmund im Klassiker. Allianz Arena, 75.000 ausverkauft, Südtribüne von Block 113 bis 119 in der gelben Wand-Wellen-Choreografie zur 30. Minute (Anti-RB-Banner mit Sicherheits-Auflage, FCB-Ultras haben es trotzdem rausgeholt — ist Tradition, dass beim Klassiker die Choreo-Konkurrenz die andere ist als beim Bundesliga-Alltag).
Tore: Sané in der 23. (Wirtz, sorry Musiala-Vorlage), Brandt für BVB in der 34. (Süle-Vorlage nach Ecke), Musiala in der 67. (Solo-Lauf von der Mittellinie, der Pantheon-Aktion-Status hatte schon vor Abpfiff), Kane in der 89. (Elfmeter nach Süle-Foul).
Tabelle aktuell: Bayern 81 Punkte, Leverkusen 76, Stuttgart 64, Dortmund 58, Leipzig 53, Frankfurt 50. Klar: Bayern wird Meister.
Aber: was sagt der Klassiker über die DFB-Achse aus? Drei Punkte, die mir wichtig sind.
1. Kimmich vs Brandt — das Mittelfeld-Duell
Kimmich hat als hochgeschobener Rechtsverteidiger gegen Brandt direkt geduellt. Brandt war über 78 Minuten der bessere Mittelfeldspieler des Klassikers — 89 Ballaktionen, 7 Schlüsselpässe, 1 Tor, 1 Vorlagen-würdige Aktion. Kimmich 62 Ballaktionen, 4 Schlüsselpässe, defensiv 4 Tackles gewonnen.
Brandt ist NICHT im DFB-Stamm (im Kader ja, Stamm nein) — Nagelsmann präferiert Wirtz auf seiner Position. Wenn der Klassiker repräsentativ ist (und ich glaube er ist), dann hat Wirtz die schwerere Konkurrenz vor sich als wir alle annehmen. Brandt-Süle-Sabitzer ist eine Achse, die DFB mit Wirtz-Andrich-Goretzka nicht klar überlegen ist.
Für die WM bedeutet das: wenn Nagelsmann Brandt als Joker einsetzen würde, könnte das in der zweiten Halbzeit signifikant wirken. Macht er aber wahrscheinlich nicht — der Wirtz-Bonus ist taktisch zu hoch im Status.
2. Musialas Bayern-Form ist nicht 1:1 DFB-Form
Musiala hat im Klassiker das Tor des Spiels gemacht (Solo-Lauf 60 Meter, drei Gegenspieler ausgetanzt — 11Freunde-Cover-Foto-Material). ABER: er hat das mit der Bayern-Mittelfeld-Achse hinter sich gemacht. Kimmich/Goretzka/Pavlovic geben ihm Räume und Zeit, die das DFB-Mittelfeld nicht im gleichen Maße geben wird.
In Andrich/Goretzka (DFB-Doppelsechs) ist nur Goretzka aus dem Bayern-Block. Andrich kommt aus Leverkusens System, das anders organisiert ist. Wenn Musiala bei DFB nicht die gleichen Ballaktion-Räume hat, sehen wir nicht den 67.-Minuten-Klassiker-Musiala, sondern den Vorbereitungsphase-Musiala (der gut, aber nicht entscheidend war).
3. Süle hat ein gutes Spiel gemacht — aber zu langsam für Konter
Niklas Süle bei Dortmund war im Klassiker stabil. Defensive Aktionen: 9 Tackles gewonnen, 4 Kopfball-Duelle gewonnen, 1 Tor durch Mit-Vorlage. Foul vor dem Elfmeter (89. Minute) war kontrovers (Schiri Brych hat's so gepfiffen, Bundesliga-Schiri-Komitee diskutiert es immer noch), aber sportlich war Süle 8 von 10.
Trotzdem: bei der Tempo-Aktion zum 0:1 (Sané-Beschleunigung, Süle 4 Meter dahinter) sah man das gleiche, was DE bei der EM 2024 gegen Spanien gesehen hat — die Süle-Lentschicht-Defensive ist gegen Tempo-Spieler ein Risiko.
Nagelsmann hat Süle NICHT im DFB-Kader (siehe Faden #2117). Das macht Sinn aus diesem Klassiker-Beleg. Aber: wer wäre besser für die Tempo-Konter-Verteidigung? Antwort haben wir nicht — Schlotterbeck/Tah/Rüdiger ist das Trio.
Mein Fazit
Bayern-Dominanz im Klassiker bedeutet Sicherheit für Kimmich/Musiala/Sané/Goretzka, aber nicht automatisch DFB-Stärke. Die Doppelsechs ohne Bayern-Block-Komponente (Andrich/Goretzka) ist die strukturelle Frage, die Nagelsmann lösen muss.
50+1-Diskussion am Rande: Dortmunds Vereinsmodell, die Yellow-Wall-Mentalität, die Trinkhalle-Tradition am Borsigplatz — das ist DAS deutsche Fußball-Modell. Bayerns "FC Hollywood"-Image ist die Karikatur, aber sportlich gewinnt FCB. Es ist die Spannung der Bundesliga: Tradition vs Erfolg, Familien-Vereinsbindung vs Kapitalisierungs-Wirklichkeit.
Was sagt ihr nach dem Klassiker — bullish auf die DFB-Achse oder skeptisch dass die Bayern-Block-Komposition automatisch DFB-Stärke bedeutet?